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Pressekonferenz am 18. Juni 2020

Gleichstellung und Frauenförderung wichtiger denn je

Landesrätin Wiesflecker: Coronakrise gefährdet Bemühungen um Gleichberechtigung der Geschlechter

Bregenz (VLK) – Die Erkenntnisse aus der Coronakrise sind aus frauenpolitischer Perspektive ernüchternd und alarmierend, sagte Landesrätin Katharina Wiesflecker in einer Pressekonferenz am Donnerstag, 18. Juni, ím Landhaus: „Tatsache ist, dass besonders die Frauen durch die fehlende Kinderbetreuung und das Home-Schooling belastet wurden. Ganz schnell sind die traditionellen Rollenverteilungen wieder eingenommen worden – die Frau kümmert sich um Haus und Kind, der Mann verdient Geld. Sein Job hat Vorrang, weil viele Frauen Teilzeit arbeiten." Zudem sei nun zu befürchten, dass es gerade für Frauen angesichts des angespannten Arbeitsmarkts schwierig wird, wieder ins Erwerbsleben zurückzufinden. Wiesflecker betonte daher die Wichtigkeit von Unterstützungsleistungen für Frauen in dieser Situation, etwa über das kürzlich beschlossene Tourismuspaket, weil mit dieser Branche viele Frauenarbeitsplätze verknüpft sind.

Insgesamt zeige sich, welch großer Handlungsbedarf in Sachen Gleichstellung der Geschlechter nach wie vor besteht. Die Coronakrise habe das bisher Erreichte sogar wieder um zwei bis drei Schritte zurückgeworfen. Einen entscheidenden Hebel bei der Überwindung von klassischen Rollenzuschreibungen sieht Wiesflecker bei den Männern. „Es muss gelingen, gemeinsam eine partnerschaftliche Rollenaufteilung zu entwickeln, das ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe", betonte sie. Diesem Thema widmet auch das Fraueninformationszentrum femail seinen Jahresschwerpunkt mit einer Reihe an Workshops und Veranstaltungen.

Auch von Seiten des Landes Vorarlberg werden die Bemühungen in Sachen Gleichstellung engagiert weitergeführt, so Wiesflecker. Für das Frauennetzwerk, das sich mit 40 Regionen- und Frauensprecherinnen im ganzen Land für die Anliegen von Frauen einsetzt, werden in den Jahren 2020 bis 2025 in Summe 126.500 Euro zur Verfügung gestellt. Außerdem ist im Jahr 2021 die Publikation eines neuen Berichts zur Gleichstellung von Frauen und Männern in Vorarlberg geplant – erneut in Zusammenarbeit des Funktionsbereiches Frauen und Gleichstellung des Landes mit ÖGB und Arbeiterkammer Vorarlberg. Damit wird an die Berichte aus den Jahren 2014 und 2017 angeknüpft. Diesmal soll vor allem das Thema "Existenzsicherung in Verbindung mit bezahlter und unbezahlter Arbeit" in den Fokus gerückt werden.

femail – Frauenberatung einfach zugänglich und vertraulich

Auch femail-Geschäftsführerin Lea Putz-Erath hob hervor, dass im Zuge der Corona-Pandemie die Benachteiligung von Frauen in mehrfacher Hinsicht verschärft worden ist – sowohl finanziell durch die ungleiche Verteilung von Erwerbsarbeit als auch gesundheitlich durch die stärkere Mehrfachbelastung. Das femail habe auf die veränderten Rahmenbedingungen rasch reagiert, die telefonische Beratung sowie die Möglichkeit zur Video-Beratung seien von Frauen in schwierigen Situationen vielfach genutzt worden. Vor allem die muttersprachlichen Beratungen haben sich verdoppelt.

Aber schon vor der Coronakrise waren die Angebote des femail sehr gefragt, wie der Jahresbericht 2019 belegt. Die Frauenservicestelle, die muttersprachliche Information und Beratung und die Fachstelle Frauengesundheit verzeichneten im letzten Jahr insgesamt 3.545 Kontakte. Im femail arbeiten sieben Mitarbeiterinnen mit insgesamt 3,6 Vollzeitäquivalenten. 39 Prozent der Kundinnen sind zwischen 36 und 49 Jahre alt, 44 Prozent sind verheiratet oder leben in einer eingetragenen Partnerschaft. Sie erhalten vertrauliche und anonyme Beratung. „Unser Ziel ist es, dass die Frauen nach der Beratung eine bessere Entscheidungsbasis für ihre Situation haben", erklärte Lea Putz-Erath.

Herausgegeben von der Landespressestelle Vorarlberg
Redakteur: Gerhard Wirth 

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