25 Jahre femail FrauenInformationszentrum Vorarlberg

Die Wurzeln des femail reichen in die frühen 1990er-Jahre zurück. In dieser Zeit setzt das „Referat für Frauen und Gleichstellung" des Landes Vorarlberg eine Arbeitsgruppe ein, die ein Konzept für ein Fraueninformationszentrum erarbeiten soll. Daraus entwickelt sich ein intensiver Denk- und Diskussionsprozess. Am Ursprungskonzept tüfteln Frauen aus unterschiedlichsten Institutionen und der autonomen Frauenbewegung gemeinsam. 1994 ist es so weit, die Ideen sind so weit ausgereift, dass ein Verein ins Leben gerufen werden kann.

Das „Fraueninformationszentrum Femail" wird am 2.8.1994 als gemeinnütziger Verein gegründet. Träger sind das Land Vorarlberg, die Stadt Feldkirch sowie das Institut für Sozialdienste. Erste Obfrau ist Birgitt Breinbauer, stellvertretende Obfrau Brigitte Bitschnau-Canal, die Geschäftsführung übernimmt Sabine Folie.

Im darauffolgenden Jahr – pünktlich zum Internationalen Frauentag im März 1995 – öffnet das femail FrauenInformationszentrum im Ganahl-Areal in Feldkirch zum ersten Mal seine Türen:

femail-Logo 1995

Türen in eine moderne Welt

Das femail ist Vorarlbergs erste vom Bund anerkannte Frauenservicestelle. Und bereits bei der Namensgebung beweisen die Verantwortlichen Weitblick: denn obwohl die Nutzung des Internets und damit der E-Mails noch längst nicht in allen Haushalten Einzug gehalten hat, ist dem Team klar, dass mit diesen Technologien Zukunft geschrieben wird. Der Name femail setzt sich aus dem englischen Wort für „weiblich", also „female" und „E-Mail" zusammen, bedeutet also im weiteren Sinn „Austausch von Informationen und Nachrichten von und für Frauen". Damit macht der Verein von vornherein deutlich, Frauen die Türen in eine moderne Welt zu öffnen und sie beim Eintreten zu begleiten. Bis heute nutzt das femail E-Mails, Newsletter und die mehrfach überarbeitete Homepage www.femail.at samt (online)-Broschüren, um allgemeine, spezielle und aktuelle Themen für Frauen aufzuarbeiten, bereitzustellen und zu vermitteln.

Beratung und Information von Beginn an

Die Bereitstellung von Information und das Angebot, diese Information fachgerecht zu vermitteln, sind von der ersten Stunde an die zentralen Kernaufgaben von femail. Bis heute bemüht sich das Team in erster Linie darum, die oft äußerst komplexen frauenrelevanten Themen gut verständlich aufzuarbeiten und weiter zu leiten. Von Anfang an ist klar: für ALLE ratsuchenden Frauen soll die Schwelle, an Information und Beratung zu gelangen, bewusst niedrig gehalten sein. Das femail möchte Information vermitteln ohne soziale, politische, sprachliche oder kulturelle Abgrenzung. Das bedeutet allerdings nicht, dass der Verein nicht äußerst schnell auf gesellschaftliche Entwicklungen und Herausforderungen reagieren kann – ganz im Gegenteil! femail ist also eine Service- und Informationsstelle für Frauen. Die Dienstleistungen orientieren sich an den persönlichen Bedürfnissen der Kundinnen und unterstützen die eigenständige Lebensgestaltung. Das Ziel lautet bis heute, die Gleichstellung für Frauen und Männer zu erreichen.

Recherchieren, dokumentieren, publizieren

Im ersten Jahr nach der Eröffnung 1995 gilt es zunächst, die Voraussetzungen für die Informationsvermittlung zu schaffen. Das bedeutet Recherchearbeit, Aufbereiten von Informationen sowie Vernetzung mit anderen Institutionen und Fachleuten, die für Frauenfragen in den Bereichen Recht, Finanzen, Soziales, Wirtschaft, Gewalt und Kultur zuständig sind. Im Projekt „FrauenSalon" werden in Gruppen diese Themenbereiche fundiert erarbeitet. Die Ergebnisse werden in einer zunächst halbjährlich erscheinenden Zeitung dokumentiert. Zudem musste das Angebot von femail selbst öffentlich gemacht werden – etwa über Inserate, Zeitungsartikel, Rundbriefe, Flyer sowie intensive Pressearbeit in Zeitungen, Rundfunk und Fernsehen. In den Anfangsjahren konzentriert sich das femail also vor allem auf zwei Ebenen: Information (als Koordinationsstelle sollen die Infos vernetzt und weitergeleitet werden) und Bewusstseinsbildung (in Projekten und Workshops werden frauenrelevante Themen aufgegriffen). Beide Ebenen gehören bei femail unbedingt zusammen.

Projekte gegen Benachteiligung von Frauen

Neben dem Angebot an frauenrelevanten Informationen aller Art war und ist das femail deshalb auch Initiatorin von Projekten. Im Anfangsjahr 1995 steht dabei ausdrücklich eine Frauenförderung im Vordergrund, die der Benachteiligung von Frauen entgegen wirken soll. Die wichtigsten Kernpunkte dieser Benachteiligung sind Zeit- und Geldmangel: Schon damals wird ein großer Teil der unqualifizierten, schlecht bezahlten Arbeit von Frauen getan – unter anderem weil Mädchen nicht so gut ausgebildet werden. Und schon damals sind viele Frauen in Teilzeitarbeit berufstätig, um die Kinderbetreuung zu gewährleisten. Alleinerzieherinnen können (bis heute!) oft kaum das Existenzminimum sichern. Der Zeitmangel, der neben dem Geldmangel ebenfalls eine gewichtige Rolle spielt, kommt dadurch, dass Frauen oft Beruf, Kindererziehung, Haushalt und manchmal sogar noch Pflege von Angehörigen gleichzeitig meistern müssen. In Führungspositionen sind Frauen zu dieser Zeit kaum anzutreffen, – im Gegenteil: Frauen sind schlecht vernetzt und wenig politisiert.

Service und Koordinationsstelle

Geldmangel kann femail natürlich nicht direkt abfedern, aber Zeitmangel durch professionelle Information und Unterstützung lindern: die Mitarbeiterinnen können lange Informationswege im Bürokraten-Dschungel ersparen und vor den Folgen von Diskriminierungen rechtzeitig aufklären, – etwa auf Doppel- und Dreifachbelastung hinweisen, über die Auswirkungen auf die eigene Pension aufmerksam machen, über die Folgen von Teilzeitjobs aufklären und bei Scheidungen beratend zu Seite stehen. Damit wird femail auch zu einer Service- und Koordinationsstelle: Die Information von femail soll auch dazu dienen, zu vermitteln. Es soll sichergestellt werden, dass diverse rechtliche Grundlagen auch tatsächlich in Anspruch genommen werden: etwa Förderung von Ausbildungsmöglichkeiten, Mädchenarbeit, Wege der Existenzsicherung. Das heißt also, femail vermittelt auch an Stellen, die weiterhelfen, femail bündelt und koordiniert verstreute Informationen und Daten für Frauen.

Frauennetzwerk real und online

Noch im ersten aktiven Vereinsjahr entschließt sich femail dazu, ein Frauennetzwerk via Computer zu erstellen und das Internet für Informations- und Erfahrungsaustausch zu nutzen. Auch als Online-Kontaktstelle soll femail zur Stärkung der Frauen und dem Frausein beitragen. Durch Vernetzung sollen sich Frauen gegenseitig informieren und unterstützen. Zusammengehalten wird das Netzwerk von Fachfrauen, Frauengruppen und Institutionen. In weiterer Folge beteiligt sich femail auch erstmals an einem EU-Projekt: „Online-NOW" ist eine österreichweite Online-Frauenmailbox, in der Daten und Informationen zu verschiedenen frauenrelevanten Themen aufbereitet werden. Aber nicht nur im Internet wird ein Frauennetzwerk aufgebaut, sondern auch in der „realen" Welt: bei den von femail organisierten Treffen werden aktuelle Themen diskutiert und Kontakte geknüpft. Eine der ersten Veranstaltungen im Jahr 1995 findet zum Thema „Frauen und Gesundheit" statt.

Geschichte erforschen und dokumentieren

Frauenförderung heißt bei femail auch, die Geschichte zu erforschen und zu dokumentieren, Akteurinnen und weibliche historische Persönlichkeiten aus ihrer Verschwiegenheit zu holen. Ihre Leistungen sollen – wie auch die Anliegen der Frauen – in die Öffentlichkeit getragen werden. Dadurch wird die Mitsprache der Frauen im öffentlichen Bereich gestärkt. Gleichzeitig zeigt das femail Lösungsansätze auf und trägt so zur Verbesserung der Situation der Frauen im Land bei. Der Verein beginnt, Fachliteratur und aktuelle Presseberichte zu frauenrelevanten Themen zu sammeln. Eigene Studien und Forschungsprojekte sollen die Lage der Frauen in Vorarlberg erforschen. Da es keine Universität im Land gibt, wird Grundlagenforschung unterstützt. Noch im Jahr 1995 beauftragt das Bundesministerium femail mit einer ersten Studie, die unter dem Titel „FrauenRäume" erstellt wird. So richtet das FrauenInformationszentrum in Feldkirch nach und nach eine Fachbibliothek und ein Archiv ein.

Bildung, Arbeit, Recht und Finanzen

Im ersten Jahr haben 765 Frauen das femail aufgesucht. Die Anfragen drehten sich vor allem um die Bereiche berufliche Weiterbildung/Berufsorientierung/Arbeitslosigkeit/Wiedereinstieg, rechtliche Auskünfte/Scheidungen, finanzielle Beihilfen und Kinderbetreuungseinrichtungen. Diese Themen bleiben in den Folgejahren bis heute bestimmend. 1996 zeichnet sich der Trend bereits deutlich ab: Thema Nummer Eins in den Beratungen bei femail ist Bildung (das weibliche Selbstbewusstsein leidet unter der Zuweisung der Rolle als Hausfrau und Mutter, Scheidungssituationen sind schwierig), gefolgt von rechtlichen Fragen (vielfach ist es den Frauen nicht möglich, finanziell einen Rechtsanwalt hinzuzuziehen), Vernetzung (gleichgesinnte Frauen finden) und Finanzen (verschärft wird Situation durch fehlende Kinderbetreuungseinrichtungen).

Frauensalons und „STOFF" für Diskussionen

 Im Jahr 1996 findet der erste sogenannte „Frauensalon" von femail statt. Inspiriert von den Frauensalons des 19.Jahrhunderts, zu denen sich Philosophinnen und Literatinnen getroffen haben, werden frauenrelevante Themen diskutiert und in Workshops aufbereitet. Die Ergebnisse werden in öffentlichen Veranstaltungen – etwa Podiumsdiskussionen – vertieft und in der Zeitschrift „STOFF" behandelt, die nun vierteljährlich erscheint. Gegründet hat die Zeitschrift die damalige femail-Leiterin Sabine Folie als eigenständiges Medium des femail.

Informationsoffensive per „Flugblatt“

Ebenfalls vierteljährlich erscheint die Informationsoffensive „Flugblatt". Hier werden Informationen zu Themen, über die Unklarheit herrscht und häufig nachgefragt werden, zusammengefasst (beispielsweise zu Sparpaketen der Regierung, die besonders Frauen und Kinder sowie die Pension von Frauen betreffen). Nach 5 Ausgaben des „Flugblatt" wird 1998 ein neues Konzept für die Informationsvermittlung entwickelt: in der Gratiszeitung „Wann & Wo" erscheint ein bis zwei Mal monatlich die Rubrik „Frauen & Frauen", in der häufig gestellte Fragen aufbereitet werden.

„Ceiberweiber“ sind „Online-NOW“

femail ist also ab 1996 beim EU-Projekt „Online-NOW" dabei, das bis 1998 läuft. Dieses startet damit, bestehende Strukturen in der Frauenarbeit zu verknüpfen. Internet und E-Mail werden genutzt, es gibt eine österreichweite sogenannte „Ceiberweiber-Plattform", die sich um frauenrelevante Themen kümmert. Die Ergebnisse des Projekts werden der Öffentlichkeit präsentiert. Im letzten Projektjahr wird an einer eigenen Website gearbeitet, die 1999 online geht. Alles in allem stehen aber Schulungsmaßnahmen im Mittelpunkt der Aktivitäten von „Online-NOW", dem damals größten und bundesländerübergreifenden NOW-Projekt in Österreich. Die zweitägigen Kurse und Internet-Fragestunden richten sich ausschließlich an Frauen. Im Laufe der drei Jahre werden über 300 Teilnehmerinnen aus allen Bundesländern geschult.

Finanzielle Kürzungen

Übrigens – das Projekt „Online-NOW" muss zu Beginn vorübergehend ausgebremst werden, weil definitive Förderzusagen fehlen. Generell muss das femail im ersten Projektjahr 1996 mit einer Kürzung des Betriebsbudgets durch das Arbeitsmarktservice AMS und die Arbeiterkammer AK zurechtkommen. Das Team kommt zu dem Schluss, dass die Arbeit im femail einer deutlicheren politischen Willenserklärung bedarf, auch um Planungsunsicherheiten zu vermeiden.

Internet wird immer wichtiger

femail erkennt, dass auch nach Projektabschluss die Internet-Kurse für Frauen weitergeführt werden müssen. Deshalb bilden auch nach Ablauf von „Online-NOW" die neuen Technologien einen Schwerpunkt der Tätigkeit von femail. Das Kursangebot wird ausgebaut. Seniorinnen sind eine bedeutende Zielgruppe für Internet-Schulungen geworden. Zudem wird das Web-Angebot weiter ausgebaut, auch die Zahl der Fraueneinrichtungen mit eigenem Internet-Zugang wächst. Private Zugänge ins Internet stehen Frauen zu dieser Zeit allerdings noch recht selten zur Verfügung. Deshalb ist Ende der 1990er-Jahre ein öffentlicher Zugang wichtig. Seit dem verstärkten Nutzen des Internets finden auch immer mehr ganz junge Frauen den Kontakt zu femail. Erst im Jahr 2006 wird der öffentliche PC bei femail aufgrund veränderter Entwicklungen so gut wie nicht mehr genutzt und das Angebot deshalb eingestellt.

„Alles, was Recht ist"

Als Reaktion auf die beiden von der Koalitionsregierung beschlossenen Sparpakete und auf die zunehmend verstummende Frauenpolitik initiiert die überparteiliche Plattform „UnabhängigesFrauenForum " im April 1997 ein Frauenvolksbegehren. „Alles, was Recht ist!", lautet das Motto. Viele Frauen in Vorarlberg holen sich dazu Informationen bei femail. Generell erhöht sich die Zahl der Anfragen im Rechtsbereich. Auch die Bibliothek, die zu dieser Zeit etwa 1.000 Bücher, Diplomarbeiten, Zeitungen und Zeitschriften beinhaltet, wird immer stärker genutzt. Das femail führt verstärkt eigene Studien und Forschungsprojekte durch. Die Aufarbeitung des Themas „Frauenräume in Vorarlberg" wird zudem in einer Ausstellung umgesetzt und erhält dadurch auch die so wichtige mediale Aufmerksamkeit. Insgesamt wird der Kulturbereich stärker und der femail-Veranstaltungsraum ist gut gebucht. Die allgemeinen Informationen über femail werden kaum mehr angefragt, was bedeutet, dass ein gewisser Bekanntheitsgrad erreicht ist.

Mädchenkultur erforschen

Im Jahr 1997 startet das femail unter anderem das Projekt „Girl Style", da Jugendkultur immer noch vorwiegend als „Männerkultur" und „öffentliche Kultur" verstanden wird. Mädchen repräsentieren hingegen den Mainstream und „private Kultur". Die Mädchenkultur wird nun in Vorarlberg auf verschiedenen Ebenen beleuchtet: es werden intensive Recherchen zu diesem Thema durchgeführt, Studien erstellt, Materialien gesammelt und öffentliche Veranstaltungen organisiert. 1999 wird in diesem Bereich auch ein neuer Schwerpunkt gesetzt, der sich um die Aufarbeitung der regionalen Geschichte aus einem frauenspezifischen Blickwinkel heraus dreht. Mittlerweile ist femail auch in Verbänden und Fachgruppen verstärkt aktiv, beispielsweise im „Frauenrat Vorarlberg", dem „Frauengetriebe", im" Frauengesundheitszentrum" und dem Mädchenzentrum „AmaZone". femail-Mitarbeiterinnen werden immer wieder zu Vorträgen eingeladen.

Gegenseitige Unterstützung

Um arbeitslose Frauen in ihrer sozialen und psychischen Situation zu stärken werden 1998 Selbsthilfegruppen ins Leben gerufen, die von femail fachkundig betreut werden. Mehr denn je dient das femail mittlerweile als Drehscheibe zwischen Personen, Informationen und Institutionen. Es finden Fachtagungen, Podiumsdiskussionen, Projekte, Seminare und Workshops statt. Das „Femail Frauen Forum" etwa ist eine lose Reihe von Veranstaltungen, die eine gemeinsame Kultur des Nachdenkens und Diskutierens zum Ziel hat. Frauen sollen ihr Wissen untereinander weitergeben und sich gegenseitig unterstützen.

Neuer Standort, neuer Vorstand

Im vierten Jahr seit der Eröffnung gibt es bei femail Veränderungen auf mehreren Ebenen: im Juni 1998 zieht das Team in den neuen femail-Räumlichkeiten in der Innenstadt von Feldkirch. Im selben Jahr vollziehen sich strukturelle und personelle Änderungen: die Geschäftsführung wechselt, der Vorstand ist fast komplett neu besetzt. Ende 1997 ist die Arbeiterkammer AK aus dem Vorstand ausgeschieden, in Folge wird die „Wissenschafts- und Weiterbildungs-GmbH Schloss Hofen" in Lochau aufgenommen, Delegierte von Land und Stadt sind weiterhin dabei, genauso wie ein Fachfrauenbeirat, der als beratendes und unterstützendes Gremium wirkt. Von Anfang 1998 bis Ende 1999 übernimmt Franziska Schultz die Geschäftsführung, ab 2000 ist Sabine Juffinger Geschäftsführerin bei femail.

Die damalige Geschäftsführerin Sabine Juffinger rückblickend:

„Ich kam 2000 nach Vorarlberg und übernahm die Geschäftsführung im femail. Ich musste mir beides – Vorarlberg und femail – hart erkämpfen. Die Ablehnung vom femail war damals sehr spürbar und ich erlebte einen Anschlag mit Eiern, meine E-Mail Adresse wurde geknackt etc. Ich denke, ich konnte mit den Jahren einen Beitrag dazu leisten, dass femail und die wichtige Arbeit mit den Frauen anerkannter wurde. Die Rechtfertigung auf allen Ebenen war nicht immer einfach. Es hat mich angetrieben, dran zu bleiben und bis heute für eine gesellschaftspolitische Veränderung – u.a. für Gender und Diversity-Themen – im Diskurs zu bleiben und meine fachliche Expertise anzubieten."

Zahl der Einzelanfragen steigt

In der Zwischenzeit steigt die Zahl der Einzelanfragen deutlich an. Im Jahr 1999 ist die Zahl besonders eindrucksvoll gewachsen – nämlich auf 2.450 Kontakte. Gegenüber dem Vorjahr bedeutet das eine Zunahme von 407. Die Themen der Anfragen sind nach wie vor Bildung, Wiedereinstig, Arbeit, Finanzen und Recht. Die größte Gruppe der Anfragenden ist zwischen 31 und 40 Jahre alt – das bleibt in den ersten Jahren recht konstant. Erst im Jahr 2000 ändert sich das vorübergehend: in diesem Jahr setzt sich der größte Teil der Anfragenden aus der Gruppe der 21- bis 30-Jährigen zusammen. Ältere Frauen wenden sich eher seltener an femail, auch der Anteil der Hausfrauen ist niedrig. Die Themen bleiben in etwa dieselben: Arbeitssuche, Arbeitsplatz Wiedereinstieg, Finanzen, Scheidung und rechtliche Fragen.

Erste anerkannte „Frauenservicestelle“

Nach dreijährigem Bemühen wird das femail als Frauenservicestelle des Bundes anerkannt. femail ist damit die erste offizielle „Frauenservicestelle" in Vorarlberg und nimmt einen festen Platz im sozialen Netz Vorarlbergs ein. Die Zusage des Bundes liegt mit 1.1.2001 vor. Für femail bedeutet das nun auch eine längerfristige finanzielle Absicherung von Seiten des Bundes sowie die Möglichkeit, das Angebot weiter auszubauen:

Monika Lindermayr, langjähriges Vorstandsmitglied, rückblickend:

„Wir haben erreicht, dass femail endlich Frauenservicestelle wurde und somit vom Bund in den vergangenen 20 Jahren verlässlich gefördert wurde. (...). Dies hat femail finanziell und thematisch gestärkt. Die frauenspezifischen Beratungsleistungen werden vor allen vom Bund finanziert. femail ist die einzige Fraueninformations- und beratungsstelle in Vorarlberg. Im Vergleich dazu hat beispielsweise das Burgenland sechs Frauenberatungsstellen."

„Infogespräche für Frauen“

Noch im selben Jahr kann femail erstmals ein neues Veranstaltungskonzept durchführen: Mit der Aktionsveranstaltung „Infogespräche für Frauen" werden ReferentInnen zu unterschiedlichen Aspekten zu einem Kurzreferat mit anschließendem Gespräch eingeladen. In Kleingruppen können Frauen ihre Anliegen vorbringen, die dann intensiv angegangen werden. Die ersten „Infogespräche für Frauen" findet zum Thema „Arbeit" statt. Die Aktion wird in den kommenden Jahren zu den unterschiedlichsten aktuellen und brisanten Themen fortgesetzt. Besonders die Infogespräche zum Thema „Gesundheit" werden sehr gut angenommen, denn Angebote in Vorarlberg, die sich mit dieser Thematik beschäftigen, sind rar.

Verstärkte Kulturarbeit

Bei der „Montfortwoche" in Feldkirch im Jahr 2001 organisierte femail Aufsehen erregende Veranstaltungen: nämlich „Hexen – die weibliche Seite der Zauberei" mit einem Fachvortrag und den ersten „FrauenStadtrundgang Feldkirch". Dabei wird durch die historische „Frauenstadt" geführt, um auf kaum sichtbare Zeichen aufmerksam zu machen, die auf das Leben der Frauen in der Stadt hinweisen. femail baut im selben Jahr die Zusammenarbeit mit Kultureinrichtungen – unter anderem mit Museen und Theaterhäusern – noch weiter aus. So wird etwa die Ausstellung „Brennpunkt Küche: planen, ausstatten, nutzen" im Rahmen der femail-Aktivitäten zu „Frau und Geschichte" im Frauenmuseum in Hittisau und im Heimatmuseum Schruns gezeigt.

Information in die Regionen tragen

Das femail-Team ist 2001 erstmals auf dem Frauenmarkt „Weibliche Welt – Kunst-Handwerk-Art/Work" in Dornbirn mit einem Stand dabei, um sich mit einer Arbeits- und Informationsmappe vorzustellen. Und das vom Frauenreferat des Landes Vorarlberg in Auftrag gegeben Projekt „Informationen von A-Z für Frauen im Bregenzerwald" ist so erfolgreich, dass es auf weitere Regionen Vorarlbergs ausgeweitet wird. Insgesamt sind die femail-Publikationen sehr beliebt: zeitweise beziehen sich bis zu 14 Prozent aller Anfragen bei der Servicestelle darauf.

Beratung für Migrantinnen

Bereits im Gründungs-Konzept betont femail ja, dass die Information ohne politische, religiöse, soziale und sprachliche Ausgrenzung für alle offen sein soll. Bei der Schwerpunktsetzung im Jahr 2002 wird nun erstmals eine Beratung speziell für Migrantinnen besonders berücksichtigt. femail schafft dazu umfassende Dolmetschermöglichkeiten, um die Information auch an Frauen mit nichtdeutscher Muttersprache weitergeben zu können. Die Beratung von Migrantinnen wird ständig neu ausgerichtet und den aktuellen Bedürfnissen angepasst. (In Vorarlberg ist die offizielle Beratungsstelle für ausländische Menschen seit Juni 2000 geschlossen.) Das Arbeitsmarktservice AMS Dornbirn bietet dem femail die Möglichkeit an, einen Alphabetisierungskurs für türkischsprechende Frauen zu veranstalten.

Die damalige Geschäftsführerin Sabine Juffinger rückblickend:

„Als wir 2001 vom AMS gebeten wurden, einen Deutsch-Sprachkurs für türkische Frauen zu veranstalten, war dies ein Beginn einer Schwerpunktsetzung im Bereich Migration im femail. Damals wollte sich niemand dieses Themas annehmen. Auch wir waren naiv und mussten beim ersten Kurstag erkennen, dass die Frauen kaum alphabetisiert waren. Es gelang schließlich, den Frauen das Lesen und Schreiben beizubringen und sie zu motivieren, sich der deutschen Sprache anzunehmen. Wenn ich heute Frauen von damals treffe, freut es mich, wenn ich höre, wie sie ihren Weg gegangen sind. Es ist schön, dass wir sie begleiten durften."

Es nehmen also nicht nur Migrantinnen das Angebot von femail wahr, sondern auch Institutionen und Einrichtungen, die sich mit Migrationsarbeit in Vorarlberg auseinandersetzen.

Erstmals Sprechtage in den Gemeinden

Im Jahr 2002 halten die Mitarbeiterinnen von femail erstmals auch Sprechtage direkt in diversen Gemeinden des Landes ab. Ziel ist, dass auch Frauen außerhalb der Kernzone Feldkirch die Möglichkeit haben, rasch und unkompliziert Hilfe und Information vor Ort zu erhalten. Die Sprechtage finden einmal wöchentlich in Kooperation mit den Frauensprecherinnen der jeweiligen Gemeinden statt. Insgesamt ist damit die Zahl der Anfragen bei femail weiter gestiegen.

Die damalige Geschäftsführerin Sabine Juffinger rückblickend:

„Mit dem Aufbau des Frauennetzwerkes ab 2000 konnte femail mittels Sprechstunden in den Gemeinden an der Regionalisierung teilnehmen. Das war ein Vordringen in die Gemeindestufen, und es konnte viel Ablehnung vor Ort abgeschafft werden. Mit der Zeit wurde es selbstverständlich, dass wir da waren. Das war ein schöner und eindrücklicher Prozess."

Grenzgängerinnen nutzen femail Angebot

Verstärkt nutzen auch Grenzgängerinnen aus der Schweiz, aus Liechtenstein und dem angrenzenden Deutschland das femail-Angebot. Es gibt sogar eigene Infoabende dazu.

Jubiläum – 7 Jahre femail

Übrigens: Im Jahr 2001 wird „Sieben Jahre femail" gefeiert – die Zahl Sieben gilt als Symbol für Kraft, Aktivität und Energie.

Immer wieder bei EU-Projekten dabei

Das femail beteiligt sich immer wieder an EU-Projekten:

Monika Lindermayr, langjähriges Vorstandsmitglied, rückblickend:

„Ab dem Jahr 2002 hat sich femail immer an vom Frauenreferat der Vorarlberger Landesregierung durchgeführten gutdotierten EU-Projekten beteiligt. Der kleine Betrieb femail mit geringen personellen Ressourcen hat die aufwändige Durchführung von EU-Programmen auf sich genommen, um das Gesamtbudget aufzubessern. Das ist bewundernswert. femail konnte in dieser Zeit nachhaltige Netzwerke mit Sozialpartnern, Organisationen und Institutionen in Vorarlberg, in Österreich und in der EU aufbauen, sich öffnen und sich mit dem Thema Gleichstellung gut etablieren. In diesen Projekten wurden zukunftsträchtige Programme, wie Mentoring, Coaching und Maßnahmen zur Erhöhung der Erwerbstätigkeit von zugewanderten Frauen, Maßnahmen zur Verbesserung der Rahmenbedingungen von Pflegekräften entwickelt, Maßnahmen für Frauen mit Fluchterfahrung entwickelt. Diese Themen wurden von anderen Institutionen in ihr Angebot aufgenommen und sind somit flächig verfügbar."

Ab Oktober 2002 etwa setzt die Vorarlberger Entwicklungspartnerschaft „F&Mpower" im Rahmen des „EQUAL-Programmes der EU Aktivitäten" Maßnahmen zur Verbesserung der Chancengleichheit von Frauen und Männern am Arbeitsmarkt um.

Die damalige Geschäftsführerin Sabine Juffinger rückblickend:

„Wichtig für das femail waren die Mitarbeit bei den EU-Projekten z.B. F&MPower, ein Mentoringprojekt für Wiedereinsteigerungen und Jobplan zum Thema Einkommensschwere. Die große Welt der EU kam in das kleine femail. Wir hatten transnationale Partnerschaften und konnten viel von anderen Ländern, AnbieterInnen etc. lernen."

femail ist für das Model „M.I.P. – Mentoring In Practice" verantwortlich und entwickelt „Mentoring" als ein Förderungskonzept weiter, passt es an die Lebenssituationen in der Phase der Vereinbarkeit von Beruf und Familie an. Das Projekt wird 2005 abgeschlossen.

Migrantinnen nehmen Angebot immer mehr an

Mit der neuen Schwerpunktsetzung, die ja verstärkt auch Migrantinnen anspricht, werden nun auch die Muttersprachen der einzelnen Klientinnen erhoben, sofern sie diese Information bekannt geben möchten, denn die Beratungen bei femail erfolgen auf Wunsch auch anonym. Aus den somit bekannten Daten geht hervor, dass im Jahr 2002 91 Prozent der Ratsuchenden Deutsch und neun Prozent eine andere Sprache als Muttersprache haben. Bereits im Folgejahr der Schwerpunktsetzung, im Jahr 2003, ist der Anteil der Migrantinnen auf 14 Prozent gestiegen. Femail baut die Vernetzungsarbeit mit der „AG Migrantinnen" und die Projektzusammenarbeit mit dem Verein „okay.zusammen leben" aus. Gemeinsam mit ihnen sowie dem Verein „Aktion Mitarbeit" wird ein eigenes Internet-Portal für Migrationsfragen aufgebaut, das 2004 online geht.

Das Leitbild aus dem Jahr 2003 ist übrigens bis heute wegweisend:

FEMAIL ist DIE Informations- und Servicestelle für Frauen und Plattform für innovative Ideen in Frauen- und Genderfragen in Vorarlberg. In geschütztem Rahmen bleiben unsere Kundinnen auf Wunsch anonym. Unser Anliegen ist die eigenständige Lebensgestaltung für Frauen. Als Plattform für innovative Ideen in Frauen – und Genderfragen greifen wir aktuelle Themen auf und schaffen damit neue gesellschaftspolitische Handlungsfelder. Ziel unseres Engagements ist die Gleichstellung von Frauen und Männern.

Zehn Jahre „femail“

Der Trägerverein „femail FrauenInformationszentrum" feiert im Jahr 2004 sein zehnjähriges Bestehen und ein Jahr später – 2005 – den zehnten Jahrestag seiner Eröffnung. Diese zehn Jahre femail spiegeln auch ein Stück Frauenleben wider: gesellschaftliche Veränderungen, Arbeitslosigkeit, Vergrößerung der Einkommensschere zwischen Mann und Frau, Lebenshaltungskosten und Auswirkungen. Das femail bemerkt zu dieser Zeit vermehrt Anfragen zu finanziellen Beihilfen. Die Arbeitslosigkeit ist Österreichweit gestiegen, die Frauenarbeitslosenrate hat überproportional zugenommen. Vorarlberg weist zu dieser Zeit bundesweit den höchsten Anteil an geringfügig Beschäftigten und eine enorme Zunahme an Teilzeitbeschäftigten auf.

Hohe Zahl an arbeitslosen Frauen

Die hohe Frauenarbeitslosigkeit zeigt sich auch in der femail-Statistik: Die Anzahl der Arbeit suchenden Frauen ist um zwei Prozent gestiegen, die Anzahl der Kundinnen im Erwerbsleben ist gesunken. 2004 bringt einen neuen Scheidungsrekord in Österreich. Die Scheidungsrate in Vorarlberg beträgt laut Statistik Austria 43 Prozent, viele Frauen geraten in finanzielle Bedrängnis. Armut betrifft alleinstehende Frauen öfter als Männer. 16 Prozent der Frauen ab 60 Jahren verfügen weder über eine eigene Pension noch über eine Witwenpension. Die mittlere Eigenpension von Frauen liegt im Jahr 2002 bei rund 683.- Euro (laut Armutskonferenz 2005). Das bedeutet: rechtzeitige Aufklärung wird immer wichtiger: das femail-Team berät 2005 zudem vermehrt Kundinnen mit Mehrfachproblematiken wie Wohnungssuche gekoppelt mit Schulden und Partnerschaftsproblemen.

Frauen in der Berufswelt unterstützen

Die Bedingungen für Frauen in der Arbeitswelt sind unfair geblieben. Sie sind immer noch die Hauptverantwortlichen für die Arbeit im Haus und für die Betreuung von Kindern und Angehörigen. Aus diesem Grund passt femail das Dienstleistungskonzept den aktuellen Gegebenheiten an und verstärkt 2006 jenes Angebot, das Frauen auch in der Berufswelt unterstützt. Dabei werden die neusten Trends auf dem Arbeitsmarkt und die gesamte persönliche Situation der Ratsuchenden berücksichtigt. Die kostenlose Beratung bietet Einzelgespräche an, in der die jeweilige Situation durchgesprochen wird. In schwierigen Lebensphasen steht ein Coaching den Frauen zur Seite. Das „F&Mpower-Mentoring" richtet sich in seinen letzten Projektjahren nicht mehr nur an Wiedereinsteigerinnen, sondern auch an Frauen, die sich beruflich weiter entwickeln wollen.

Neuausrichtung der Beratungen

Insgesamt wird bei femail weiterhin ein Gegengewicht zur gesellschaftlichen Benachteiligung von Frauen gesetzt. Um noch wirksamer handeln zu können, setzt sich der Verein ab 2006 zudem das Ziel, das Angebot der Beratung und Information in Richtung prozessorientierte Beratungsmethoden zu erweitern. Diese Neuausrichtung erfordert personelle Änderungen und Änderungen im Servicebereich. Durch die verstärkte Konzentration auf Beratungs- und Informationsprozesse, werden die Öffnungszeiten reduziert und dafür die Terminmöglichkeiten für Beratungsgespräche ausgeweitet. Aufgrund dieser Neuausrichtung hin zu mehr Prozessqualität geht erstmals in der Statistik von femail die Zahl der Klientinnen zurück. Die ersten frauenspezifischen Coachings starten noch im Jänner 2006.

Wachsende kulturelle und soziale Kluft

Die gesellschaftspolitische Situation in Vorarlberg ist von wachsenden kulturellen und sozialen Unterschieden bestimmt. Die größte Gruppe der Migrantinnen stellen in Vorarlberg nach wie vor die türkischen Staatsbürgerinnen. Diese sehen sich vielfach prekären Lebensbedingungen ausgesetzt: sie arbeiten in Niedriglohnbranchen, sind rechtlich in vielerlei Hinsicht diskriminiert. Im Jahr 2006 verstärkt femail das Engagement für Migrantinnen neuerlich: Folder informieren nun auch in mehreren Sprachen. Einzelne Veranstaltungen und Kooperationen sind daraufhin ausgerichtet.

Fraueninformations-Telefon

Ende 2006 konzipiert femail zudem das Fraueninformations-Telefon in deutscher und türkischer Sprache und setzt es ab Anfang 2007 um. Einmal mehr wird damit ein niederschwelliges und integratives Beratungskonzept Realität. Beim Fraueninformations-Telefon ist ein interkulturelles ExpertInnenteam unter der Servicenummer 810 acht Stunden pro Woche erreichbar. Das Telefon stellt sich als wichtiges Entlastungs- und Interventionsangebot dar: sowohl Kurzinfos als auch eingehende Beratungsgespräche sind möglich. 36 Prozent der Anruferinnen haben einen Migrationshintergrund. Das femail hat sein Profil als Frauenberatungsstelle mit der Realisierung des Fraueninformations-Telefons in deutscher und türkischer Sprache deutlich geschärft.

Drehscheibe für Frauengesundheit

Die Anfangszeit der neuen Geschäftsführerin Sabine Kessler im Jahr 2007 fällt mit einer neuen Ausgangsbasis bei der Finanzierung von Non-Profit-Organisationen zusammen. Die Änderungen bringen weitere Neuausrichtungen mit sich. Seit Mitte 2007 ist etwa die Durchführung von Gemeinschaftsinitiativen nicht mehr möglich – das bedeutet einen gewissen Ressourcenverlust, es wird nötig, neue Finanzierungsmodelle zu schaffen. Neu bei femail ist 2007 auch die Planung einer Drehscheibe für Frauengesundheit. Zunächst wird der regionale Bedarf erhoben, schließlich wird femail vom Land Vorarlberg noch im Juli 2007 mit der Ausarbeitung eines Konzepts beauftragt, das ab Jänner 2008 mit der „Fachstelle Frauengesundheit" umgesetzt wird. Damit entwickelt sich ein gänzlich neuer Geschäftsbereich, mit dem sich femail als Kompetenzstelle stark etablieren kann.

Tanja Kopf, Obfrau seit September 2018, aus heutiger Sicht:

„Die Einrichtung der Fachstelle Frauengesundheit im Jahre 2008 ist sicher ein Meilenstein für das femail. Die Vernetzung mit den Systempartnerinnen funktioniert gut. Regelmäßige Vernetzungsfrühstücke finden statt."

Spürbarer Aufschwung

Das Jahr 2008 ist daher geprägt von einer sehr guten Außenwahrnehmung, einem äußerst positiven Echo – alles in allem ist geradezu ein Aufschwung spürbar. Das femail mietet ab 1.12.2008 neue Geschäftsräume im Zentrum von Feldkirch an, die die Arbeitssituation deutlich verbessern. Die neue Umgebung wird von Mitarbeiterinnen und Kundinnen als sehr angenehm empfunden. Auch in der Öffentlichkeit wird femail um einiges stärker wahrgenommen. Den Anliegen von Frauen in Vorarlberg wird buchstäblich „mehr Raum" gegeben.

Monika Lindermayr, langjähriges Vorstandsmitglied, rückblickend:

„femail bietet ja nicht nur Beratungsleistungen an, sondern ist stark in der Bewusstseinsbildung und in der Information zu frauen- und gleichstellungsorientierten Themen in Fachkreisen und in der Öffentlichkeit, begleitet Netzwerke, qualifiziert und bildet Multiplikatorinnen und Multiplikatoren zum Thema Frauen und Gleichstellung weiter."

Prägend in diesem Jahr des Aufschwungs ist in erster Linie die neue Fachstelle Frauengesundheit. Die Einführung des neuen Bereiches steht 2008 bei femail sowohl inhaltlich als auch organisatorisch voll im Mittelpunkt. Es werden dazu zahlreiche Vernetzungsgespräche und Bedarfserhebungen durchgeführt.

Intensive Beratungsleistungen

Im Jahr 2008 verzeichnet das femail auch eine erhebliche Steigerung in der zeitlichen Intensität der Beratungsleistungen: der Zeitaufwand für alle Beratungs- und Informationsangebote erhöht sich im Vergleich zum Jahr davor um rund 25 Prozent. Das Team führt 2008 insgesamt 1.569 Beratungen und Informationsgespräche durch. Die Themen „Trennung und Scheidung" treten als Grund für einen Kontakt mit femail um 56 Prozent häufiger auf als im Vorjahr. Die stärkste Altersgruppe unter den Ratsuchenden sind die 36- bis 45-Jährigen.

„frauen.fragen“ in deutscher und türkischer Sprache

Die Beratungen für Frauen mit Migrationshintergrund in der jeweiligen Muttersprache werden immer wichtiger. Zum einen ist das mehrsprachige Beratungsangebot der femail-Frauenhotline längst fester Bestandteil. Zusätzlich werden unter dem Titel „frauen.fragen – Beratung und Information für Migrantinnen" Information und Beratung zu Fragen der sozialen Sicherheit und Integration von Frauen mit Migrationshintergrund angeboten. Das Projekt wird seit der Gründung im Jahr 2007 von einer Expertinnengruppe begleitet.

Tanja Kopf, Obfrau seit September 2018, aus heutiger Sicht:

„Die Projekte frauen.fragen – Muttersprachliche Beratung für Frauen mit nichtdeutscher Muttersprache, die Frauen-Hotline und die Arbeitsmarktorientierung für Migrantinnen unterstützen Frauen, die es am allernötigsten haben."

femail vermittelt die Informationen nicht nur in deutscher und türkischer Sprache, sondern zieht im Bedarfsfall auch Dolmetscherinnen hinzu. Im Rahmen des Projekts „frauen.fragen" sind 2009 insgesamt 331 Frauen beraten und informiert worden. 255 davon hatten einen Migrationshintergrund. Damit steigt der Prozentsatz an ratsuchenden Frauen mit Migrationshintergrund deutlich an. Gerade im Hinblick auf das Integrationsleitbild der Vorarlberger Landesregierung erfüllt femail mit „frauen.fragen" zentrale Zielsetzungen.

Jahre des Wachstums

Nach dem deutlichen Aufschwung im Jahr 2008 wächst das femail in den Folgejahren kontinuierlich – und zwar sowohl was die inhaltliche Stärke des Angebots und die Position des Vereins in der Vorarlberger Soziallandschaft betrifft, als auch was die Zahl der Aktivitäten und Ratsuchenden. Seit der Gründung der Fachstelle „Frauengesundheit" entstehen neue regionale Arbeits- bzw. Beratungsgruppen.

Die damalige Geschäftsführerin Sabine Kessler rückblickend:

„Bei der Implementierung der Fachstelle Frauengesundheit ist hier insbesondere die Vernetzung mit den Frauengesundheitszentren Österreichs hervorzuheben. Wir haben Gesundheitsworkshops für Frauen angeboten (teilweise mehrsprachig). Wichtige Eckpfeiler waren in diesem Bereich die Stärkung der Selbsthilfe Endometriose, die gynäkologische Sprechstunde sowie die Stärkung von Health Literacy, indem in einem ersten Schritt Gesundheitswissen in der Infothek Frauen und Mädchen zur Verfügung gestellt und im Rahmen des sogenannten Gesundheitsnetzwerks diskutiert und verbreitet wurde (Mitglieder des Gesundheitsnetzwerks waren: SystempartnerInnen aus dem psychosozialen und Gesundheitsbereich, u.a. Caritas, gynäkologische Abteilung des Krankenhauses Dornbirn, Amazone, ifs Gewaltschutzstellen /Frauennotwohnung, Hebammengremium, aks Gesundheitsbildung u.a.). Die Vernetzungstreffen lieferten Impulse für neue Angebote und Kooperationen (z.B. FGM-Projektgruppe)."

Die Gesundheits-Fachgruppe ist zudem an mehreren Publikationen beteiligt und verzeichnet allein im Jahr 2010 350 Einzelberatungen.

Daneben versteht sich das femail auch 15 Jahre nach seiner Gründung noch dezidiert als Anlaufstelle zu ALLEN Fragestellungen, die sich aus dem Lebenszusammenhang von Frauen ergeben.

Das Angebot in der Frauenservicestelle bildet das Hauptgeschäftsfeld von femail und nach wie vor werden Frauen in privaten und beruflichen Veränderungsprozessen fachkundig begleitet. Familienrechtliche Fragen, finanzielle Probleme sowie Anfragen rund ums Thema „Arbeit" bilden beispielsweise im Jahr 2010 die Kernthemen der Beratungsarbeit. 2012 zählt das femail in den angebotenen Gruppenveranstaltungen fast doppelt so viele Frauen wie in den vergangenen Jahren.

Frauenarmut an der Wurzel bekämpfen

2013 ist ein Jahr der Herausforderungen für femail: trotz des anstehenden Wechsels in der Geschäftsführung soll der laufende Betrieb gesichert sein. Nach sieben Jahren hat Sabine Kessler sich dazu entschlossen, ab Jänner 2013 eine neue berufliche Aufgabe anzunehmen: ihre Nachfolgerin ist Elfriede Schallert. Die thematischen Herausforderungen aus Frauensicht stellen 2013 die Veröffentlichung des „Armutsberichts" und die daraus entstandenen Diskussionen dar. Wie im Rest von Österreich besteht nämlich in Vorarlberg für Arbeitslose, Alleinerzieherinnen, allein lebende Frauen, Familien mit mindestens drei Kindern sowie Frauen ab 65 Jahren eine deutlich höhere Armutsgefährdung.

Ende 2013 mündet die Beschäftigung mit diesem Thema zu der Entscheidung eines Leitbildprozesses. Ziel soll eine deutliche Weiterentwicklung von femail sein: der Verein will mehr nach der „Wurzel" – besonders auch des Frauenarmutsproblems – zugreifen, indem systemübergreifend zeitgemäße Handlungsstrategien für die Gleichstellung von Frauen und Männern entwickelt werden.

Tanja Kopf, Obfrau seit September 2018, aus heutiger Sicht:

„Immer wieder musste sich das femail kritischen Stimmen stellen, dass das Profil zu wenig konkret ist und frauenspezifische Angebote gar nicht so benötigt werden. Das ist eine Herausforderung, mit der wir es gerne aufnehmen. Wer sich schon lange für frauenspezifische Anliegen einsetzt, weiß, wovon ich rede: die Nachfrage nach femail-Angeboten zeigt nämlich etwas anderes. Die Einzelberatungen in der Frauenservicestelle haben sich im vergangenen Jahr (2018) wieder um 10 Prozent erhöht."

Eröffnung der „Außenstelle“ Lustenau

Bis zum Jahr 2015 hat sich das femail-Team neu gebildet: nach der interimistischen Geschäftsführung durch Sabine Juffinger übernimmt ab 1.April 2015 Ursula Hosch die Leitung. Auch räumlich gibt es eine Neuerung: femail eröffnet eine Außenstelle in Lustenau: ratsuchende Frauen können künftig in den Räumlichkeiten des „Kindergarten Rheindorf" jeden Donnerstag in der Zeit von 8.00 bis 13.00 Uhr ohne Anmeldung vorbei kommen.

Monika Lindermayr, langjähriges Vorstandsmitglied, rückblickend:

„Die femail-Außenstelle in Lustenau ist eine wichtige Errungenschaft. Die regionale Ausrichtung der Tätigkeit vom femail hat sich überaus bewährt."

Bildungs- und Berufsberatung für Migrantinnen

Neu startet 2015 in Vorarlberg auch das Projekt „Bildungs- und Berufsberatung für Migrantinnen", bei dem femail über drei Jahre hinweg Projektpartnerin ist. Die ebenfalls neu ins Leben gerufene Veranstaltungsform „Freitags um fünf im femail" stellt sich 2016 als gerne angenommenes Angebot heraus. Besonderes Augenmerk wird im ersten Jahr dieser Informations-Reihe auf die Vernetzung in allen gleichstellungspolitischen Handlungsfeldern gelegt.

Tanja Kopf, Obfrau seit September 2018:

„In der Serie Freitags um fünf im femail finden vier bis sechs Expertinnengespräche zu frauenbezogenen und gesundheitsrelevanten Themen in den Räumlichkeiten des femail statt. Beispielhaft erwähnt sei hier die Veranstaltung mit dem Titel Verliebt verlobt verheiratet – oder doch nicht? Hier wurde darüber diskutiert, ob Heiraten nur noch eine romantische Geste ist, eine veraltete Sitte, ein kostenintensives Fest oder ob Heiraten auch rechtlich nach wie vor Sinn macht."

Angebote für Frauen mit Fluchterfahrung

Insgesamt ist 2016 ein sehr erfolgreiches Jahr: femail kann auf die gesellschaftliche Herausforderungen in dieser Zeit reagieren und schafft Angebote für Frauen mit Migrationshintergrund und Fluchterfahrung. Es werden beispielsweise Gesundheitsangebote für Flüchtlingsfrauen konzipiert und erfolgreich gestartet.

Monika Lindermayr, langjähriges Vorstandsmitglied, rückblickend:

„femail hat sich in den letzten Jahren im Rahmen seiner von der Politik vorgegebenen Möglichkeiten ausgezeichnet weiterentwickelt, immer neue Bereiche geschaffen und diese professionell betreut. femail hat in der sozialen Landschaft Vorarlbergs einen wichtigen Platz. Die Einrichtung besticht trotz ihrer Kleinheit mit ihrem hohen Vermögen, auf gesellschaftliche Herausforderungen schnell und zielgruppenspezifisch zu reagieren, wie beispielsweise Maßnahmen für Frauen mit Fluchterfahrung."

Das Referat für Frauen und Gleichstellung beauftragt femail in den Jahren 2017 und 2018 mit dem Projekt „Arbeitsmarktorientierung für Frauen mit Migrations- und Fluchterfahrung":

Aktive Migrantinnen

Das femail führt über dieses Projekt Workshops mit insgesamt 70 Teilnehmerinnen durch. Die Kurse bieten Orientierung in den Bereichen Existenzsicherung, soziale Sicherheit, Gesundheitssystem und Bildungssystem.

 

„frauen:aktiv"-Broschüre

Zudem wird die „frauen:aktiv"-Broschüre weiter geführt, die jährlich über alle Angebote für Frauen mit Migrationshintergrund in Vorarlberg informiert. Und auch die Heranführung an den Arbeitsmarkt für Frauen mit geringen Deutschkenntnissen begleitet femail seit dieser Zeit.

Folder Frauen Aktiv

Tanja Kopf, Obfrau seit September 2018:

„Einen starken Fokus legt femail auf die Begleitung von themenspezifischen Netzwerken, der Qualifizierung und Weiterbildung von Multiplikatorinnen und Multiplikatoren zum Thema Frauen und Gleichstellung und publiziert rund 15 Broschüren; zu den am meisten nachgefragten gehört die Broschüre „frauen:aktiv" mit Angeboten für Migrantinnen in Vorarlbergs Gemeinden."

Der Verein startet mit zusätzlich Vertiefungsworkshops mit ExpertInnen der Arbeiterkammer AK, des Arbeitsmarktservice AMS, des Bildungs- und Berufsberatungs-Instituts BIFO sowie dem Verein  „AmaZone".

Neuer Internet-Auftritt

Nachdem der Verein 2017 vorübergehend von Vorstandsvorsitzenden geführt wird, übernimmt ab Mitte August Lea Putz-Erath die Geschäftsführung. Die Online-Information auf „www.femail.at" wird komplett überarbeitet. Die neue Homepage bietet einen kompakten Überblick über das femail-Angebot. Daneben liegen im Durchschnitt 15 femail-Broschüren in Deutsch, Türkisch und anderen Sprachen auf.

Erster „Frauengesundheitstag“

Im Jahr 2017 findet der erste „Vorarlberger Frauengesundheitstag" in Götzis statt, den femail im Auftrag des „Referats für Frauen und Gleichstellung" organisiert. Rund 90 Interessierte kommen, um sich in Vorträgen und Workshops zu informieren. Der Gesundheitstag wird im Folgejahr fortgesetzt und greift das Thema „Rollenanforderungen von Frauen und deren Auswirkungen auf die psychische Gesundheit" auf. Frauen und Männer sind von unterschiedlichen psychosozialen Belastungen betroffen. Frauen sehen sich nach wie vor mit anderen Voraussetzungen konfrontiert als Männer. Diese Unterschiede haben sich im Lauf der Zeit aus den sozialen, kulturellen und politischen Gegebenheiten sowie den verschiedenen Rollenerwartungen entwickelt.

Tanja Kopf, Obfrau seit September 2018:

„Im Oktober 2019 findet der dritte Frauengesundheitstag für Multiplikatorinnen statt. 2019 beschäftigen wir uns mit dem Themenkreis Schönheitsideal, Körperbilder, kultureller und sozialer Druck dem gängigen Schönheitsideal zu entsprechen, kosmetische Eingriffe etc."

Für die Anliegen der Frauen da sein

Im Jahr 2018 bekommt femail ein neues Logo mit dem Zusatz „für Frauen". Damit ist das Logo noch deutlicher auf das Wesentliche der Organisation hin ausgerichtet, nämlich: femail ist für die Anliegen der Frauen in Vorarlberg da! Die Zahl der Kontakte ist weiter deutlich angestiegen. Vor allem Unsicherheiten rund um Trennung und Scheidung motivieren die Frauen, sich bei femail zu informieren.

Sabine Juffinger, ehemalige Geschäftsführerin:

„femail bietet einen anderen Blickwinkel, nämlich die frauenspezifische Perspektive, die bei anderen AnbieterInnen nicht im Fokus steht. Welche Auswirkungen haben politische Entscheidungen für Frauen? Wie spielt die gesellschaftspolitische Entwicklung für Frauen im Besonderen eine Rolle? Darüber hinaus bietet femail den Frauen ein kompaktes Infoangebot, behält den Überblick und hat sich auf aktuelle wichtige Themen spezialisiert."

Ein Schwerpunkt richtet sich daher im Jahr 2018 nach den Problemfeldern und Bedürfnissen alleinerziehender Mütter, von denen es über 10.000 allein in Vorarlberg gibt. Nach wie vor sind sie besonders armutsgefährdet. Ende April startet femail dazu eine offene Plattform, um sich einen Überblick über die aktuelle Situation zu verschaffen. Zudem werden Treffen zum (Informations-) Austausch angeboten, die auch 2019 fortgesetzt werden. Ein weiterer Fokus liegt auf den Themen „Pensionen" und „Armut im Alter". Dazu bietet das femail Workshops an, die darauf aufmerksam machen, wo die Gefahren dafür liegen und wie man ihnen gegensteuern kann.

Bemühungen um Gleichstellung gehen weiter

Angekommen im Jahr 2019 ist femail auch nach seinem 25-jährigen Geburtstag noch nicht am Ziel. Denn fragt man heute einzelne Teammitglieder, die in den unterschiedlichsten Phasen von femail mitgewirkt haben, warum es den Verein auch heute noch genauso dringend braucht wie damals, dann kommen die Antworten wie aus einem Mund: Eine Gleichstellung ist noch immer nicht erreicht:

Sabine Juffinger, ehemalige Geschäftsführerin:

„Solange die Ungleichbehandlung in unserer Gesellschaft vorhanden ist, solange braucht es das femail. Die Parteilichkeit für Frauen ist in unserer Gesellschaft ein Muss und es braucht Strukturen, Angebote und Vernetzungen, um die Gleichbehandlung und Gleichstellung einzufordern."

Sabine Kessler, ehemalige Geschäftsführerin:

„Auch nach 25 Jahren braucht es Einrichtungen wie das femail noch, um für das Wissen, die Wahrnehmung und das Verständnis für die Herausforderungen weiblicher Sozialisierung, Lebensentwürfe und –strategien eine Kompetenzstelle anzubieten sowie Frauen in ihren Veränderungsprozessen stärken und einen geschützten Raum anbieten zu können (u.a. niederschwelliger und kostenfreier Zugang zu Fachberatung und Wissen)."

Und wie schaut die Zukunft von femail aus?

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